Die Musick hat gar wohl getönet
Das letzte Konzert der Innsbrucker Festwochen 2009 widmete sich in der Stiftskirche Stams noch einmal dem Jahresregenten Henry Purcell (geb. 1659).
Im Mittelpunkt des Abends stand „Hail, bright Cecilia!" (1692), seine vierte (und letzte) Ode für das Fest, das die „Gentleman Lovers of Musick" jeweils am 22. November zu Ehren der Heiligen feierten: Ein großangelegter Lobgesang mit vielfachem Wechsel von Chören, Soli und Ensembles.
Werke von Purcells Vorgängern und Nachfolgern umrahmten dieses Zentrum. Die Bühnenmusik zu Shakespeares „Sturm" aus der Feder des Hofkomponisten Matthew Locke (1621bis 1677) legten die Wurzeln der auffallenden harmonischen Kühnheiten im instrumentalen Frühwerk Purcells bloß. Jeremiah Clarke, 15 Jahre jünger als Purcell, schrieb eine Trauerode auf Purcells Tod, bei der vor allem eine Begräbnismusik mit Trompeten und gedämpften Pauken heraussticht.
Diese wiederum weist auf eine ähnliche Stelle in Händels „Saul" voraus; diesmal hörte man dessen „Te Deum for Queen Caroline" von 1714, das mit seinem vitalem Zugriff die Sprache Purcells vollendet. Die Wiedergaben dominierte der prachtvolle Innsbruck Festival Chorus, den Frank Markowitsch in nur zwei Jahren zum Spitzenensemble geformt hat. Timothy Brown dirigierte mit reich schattierter Dynamik, unterstützt vom ambitionierten Instrumentalensemble
„B'Rock" aus Gent. Von den Solisten gefielen insbesondere Judith van Wanroij (Sopran) und Christopher Ainslie (Countertenor).
01.09.2009
Wiener Zeitung
Gerhard Kramer