cd-review Händel (G)
Nach einem Funken sprühenden Telemann-Album haben die Musikerinnen und Musiker aus Gent jetzt bei dem Amsterdamer Label Etcetera ihre zweite CD mit Theatermusik von Georg Friedrich Händel veröffentlicht: Eine hinreißende Hommage an den barocken Jubilar des Jahres 2009.
Höhepunkte des Spätbarock
Die fünf Werke dieser CD entstanden nach Händels endgültiger Übersiedlung nach London 1712, wo er bis zu seinem Tod 1759 rauschende Erfolge als Oratorien- und Opernkomponist feiern sollte. Zu drei Opern-Ouvertüren gesellen sich hier zwei Concerti grossi, die der Pragmatiker Händel ebenfalls für musiktheatralische Zwecke vorsah, als Einleitungen oder Intermezzi. Hatte sich schon die Ouvertüre zu "Il pastor fido" mit sechs Sätzen und über 20-minütiger Spieldauer unversehens zur veritablen Suite ausgewachsen, so gehört das Concerto grosso in G-Dur op. 6 Nr. 1 mit seiner extrem abwechslungsreichen und kunstvoll stilisierten Satzfolge zu den absoluten Höhepunkten in Händels Schaffen und in der Musik des Spätbarock überhaupt.
Ohne Übertreibungen
Das Besondere an B'Rock ist der spezielle Sound des Ensembles, das - anders als ihre Landsleute von Anima Eterna unter Jos van Immerseel - in Kammerorchester-Stärke spielt. Zu den Streichern kommen je zwei klangvolle Oboen und Fagotte, dazu fallweise Laute oder Gitarre plus Cembalo - schon diese Besetzung bürgt für einen ungemein farbigen Klang. Hier "rockt" der Barock, fraglos - aber anders als es der Name suggeriert, agieren die rund zwanzig Belgier von B'Rock auf ihren alten Instrumenten nie übertrieben laut, grob oder geräuschhaft.
Lustvoll differenziert
Maximen der historischen Aufführungspraxis wie prägnante Artikulaton, "sprechende" Klangrede und Transparenz sind natürlich auch bei B'Rock interpretatorischer Standard. Aber ihr Händel klingt alles andere als akademisch oder spröde (wie es in der Frühzeit der Originalklang-Bewegung leider oft der Fall war, aber auch heute noch manchmal zu erleben ist), sondern jederzeit sinnlich, tänzerisch, griffig und organisch fließend. Händels Theatermusik ist hier nie vordergründig auf Effekt getrimmt, sondern entfaltet - derart lustvoll differenziert dargeboten - ihre ganze Palette an Farben und Stimmungen zwischen Trostlosigkeit und Überschwang.