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Ein absoluter Ohrenschmaus

Purcell und Händel mit B'Rock und dem Vocalconsort Berlin im Nikolaisaal

Die Gäste der Veranstaltung "Königlicher Barock" erlebten am Sonntagnachmittag im Nikolaisaal Musik pur. Auf der Bühne begegneten sich mit dem B'Rock (Belgian Finest Baroque), einem international besetzten flämischen Barockorchester, und dem hoch spezialisierten Vocalconsort Berlin zwei ausgesuchte Ensembles. Präsentiert wurden mit Werken von Percy und Händel nicht nur erlesenen Perlen der europäischen Barockmusik, geboten wurde zudem eine beispiellose Qualität der Interpretation. Die Begräbnissentenzen Purcells in der Tradition der Full Anthems genannten geistlichen englischen Chormusik vereinigen hochgradige Chromatik, die neben Purcell so nur noch Johann Sebastian zu setzen verstand, zu einer laut- und klangmalerischen Delikatesse, die von den Vocalconsortisten Katharina Göres (Sopran), Ivonne Fuchs (Alt), Tom Phillips (Tenor) und Falk Jost (Bass) in schwer zu überbietender und klarer Tongebung affektreich vorgetragen wurde. Der restliche Chor und eine kleine instrumentale Begleitung (Orgel, Barockfagott, Theorbe, zwei Celli) rundeten diesen Ohrenschmaus ab. Die zwei anschließenden Vers Anthems Purcells nach neu- und alttestamentlicher Quelle stellten auch die restlichen Instrumentalisten von B'Rock ins Zentrum des musikalischen Genusses. Sopranistin Christina Kaiser bestach gesanglich als zusätzliche Solistin.

Gespannt waren viele dann auf Händels "Dixit Dominus" ("Der Herr sprach zu meinem Herrn"). Von Händel 1707 im Rahmen seines Italienaufenthaltes als Auftragswerk des Kardinals Carlo Colonna fertig gestellt, zählt dieses frühe Werk zu Händels kühnsten polyphonen Chorwerken, das nur mit Bachs "Magnifikat" zu vergleichen wäre. In der achtteiligen Komposition dominiert der Chor vorrangig fünfstimmig, einzelne Soloarien sind ganz in der italienischen Tradition des reich figurierten Gesanges. Passagen wie "Iuravit dominus" ("Der Herr hat geschworen") oder "Dominus a dextris tuis" ("Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert") zeigen den ganzen Reichtum von Einheit in Text und Musik auf, die im Barock ihre größte Ausprägung fand. Mit gerade vier Sängerinnen und Sängern je Stimme wurde eine Chordynamik umgesetzt, die Maßstäbe vorgibt. Bravo!

29.11.2006
MÄRKISCHE ALLGEMEINE